Goldener Käfig

Reich sein. Unabhängig. und Vollkommen Frei. Frei zu tun und lassen was ich will. Zu reisen wohin ich will. Wann ich will. Solange ich will und mit wem ich will. Das will ich. Und zwar unabhängig. Ich will auf niemanden angewiesen sein. Will nicht von der Zuneigung profitieren. Ich will nicht meine Seele verkaufen. Nur um vermeintlich frei zu sein. Weil das ist nicht Freiheit. Auf jeden Fall nicht meine Definition davon.

Ich will diese Freiheit aus eigenen Stücken erreichen. Und ich bin mir sicher, dass es möglich ist. Auch ohne mich und meine Seele zu verkaufen. Bizarrerweise sehen viele das Problem aber gar nicht. „Als Frau hat man doch viel bessere Chancen frei und reich zu werden – heirate doch einfach reich.“ Dieser Satz löst alles in mir aus. Nur keinen Zuspruch. Meine Empörung darüber konnte mein Gegenüber nicht verstehen. Er sah es als natürliche Lösung. Warum auch nicht? Ich würde ja nur mich, meinen Körper, meine Seele und alle meine Werte verkaufen. Verkaufen gegen ein vermeintlich freies Leben. Es würde sich ja jemand um mich kümmern.

Der Tausche „Schönheit gegen Geld“ ist Uralt. Und hat schon immer großartig funktioniert. Auf den ersten Blick profitieren beide Parteien davon. Aber eben nur auf den Ersten. Ich will das nicht! Für viele mag es erstrebenswert sein, sich einfach jemanden zu suchen der sich um einen kümmert. Man wäre ja so Sorgenlos. Man müsste sich keine Gedanke um Geld machen und könnte tun und lassen was man will. Blickt man aber genauer hin ist das falsch. Man ist gefangen. Gefangen in einem goldene Käfig. Es ist warm und gemütlich und es mangelt an nichts. Außer an Freiheit. Und an Leben. Man ist wie gelähmt in seinem Käfig. Es fehlt jegliche Motivation etwas zu verändern. Man hat Angst vor der Welt da draußen. Vor der echten Welt. Voller Gefahren. Voller unbekannter Dinger. Aber auch voller Möglichkeiten und Abenteuer. Man müsste nur ausbrechen, aus diesem goldenen Käfig.

Wir alle kennen diesen goldenen Käfige. Sie sehen alle Unterschiedlich aus. Vielleicht ist es das Elternhaus. Oder der Partner. Der ja irgendwie schon immer da war. Man baut sich sein kleines Nest in diesem Käfig und versteinert langsam. Guckt ab und zu nach draußen. Sieht die Gefahren und redet sich ein wie toll und bequem das hier drinnen doch alles ist. So bekannt und vertraut.

Und dann plötzlich passiert etwas. Etwas außergewöhnliches. Etwas Aufregendes. Und man bricht aus. Und dann gibt es kein zurück mehr. Man blickt zurück und kann es nicht verstehen. Bis der nächste goldene Käfig kommt und einen langsam einlullt. Wieder einhüllt in eine Wolke der Bequemlichkeit. Und man gewöhnt sich wieder dran. Eine so trügerische und gefährliche Wolke. Von außen sieht man sie ganz klar. Aber steckt man erstmal drin sieht man gar nichts mehr. Schon gar nicht die eigene Wolke.

Also brechen wir aus. Fliegen davon. In den nächsten goldenen Käfig. Um dann wieder auszubrechen…