Verliebt. Verliebt ins Leben

Ich will mich verlieben. Hals über Kopf. Über alle Stränge schlagen. Einfach leben. Verliebt sein. Ohne Hintergedanken. Ohne wenn’s und aber’s. Ich will mich lebendig fühlen. Schmetterlinge im Bauch haben. Voller Energie pulsieren und das Leben wirklich spüren. Das will ich. Ich will mich richtig verlieben. Ja regelrecht verknallen.

Aber darf man das überhaupt noch? Ist das überhaupt noch angebracht und überhaupt erstrebenswert? Und ich meine so richtig verknallen. Wenn man beinahe Kopflos ist und alle anderen einen angucken, als wäre man auf Drogen. Und irgendwie ist man das ja auch. Ist es deswegen nicht mehr ok sich zu verlieben. Also so richtig zu verlieben. Nicht nur ein bisschen, so nach dem Motto: Ach irgendwie ist der ja ganz nett und wir passen ja auch irgendwie gut zusammen. Aber echte Leidenschaft ist da nicht im Spiel. Das will ich nicht. Das ist langweilig. Und scheinbar bin ich kein Einzelfall. Irgendwie verliebt sich niemand mehr so richtig. Man denk immer sofort über die Konsequenzen nach. Hat das mit uns auch Zukunft? Mögen meine Eltern ihn? Passen unsere Vorstellungen vom Leben zusammen? Wo will er in 5 Jahren sein? Und anstatt es zu versuchen und alles zu geben hört man auf bevor es überhaupt begonnen hat. Lieber etwas Lockeres. Einfach eine Geschichte fürs Bett. Aber bloß keine Emotionen. Es läuft eben so vor sich hin. Parallel mit anderen. Und keiner würde auch nur auf die Idee kommen mal etwas Richtiges, etwas Ernstes draus zu machen. So mit echten Verpflichtungen. Alleine das Wort klingt wie eine Bedrohung. Irgendwie. Redet man sich zu mindestens ein. Also lässt man es weiterlaufen. Bis es sich irgendwann verläuft. Und man es irgendwie vergisst.

Und ehe man sich versieht hat man mehrere dieser Geschichten hinter sich. Verschlissen und hinter sich gebracht. man sammelt sie als Whatsapp Leichen im Handy. Bis man die Chats dann doch irgendwann löscht. Sieht ja schon sonst recht komisch aus. Und macht einen ja vielleicht sogar nachdenklich. Man sortiert aus. Wie man seinen Kleiderschrank aussortiert. An ein paar Teilen hängen wirklich gute Erinnerungen und sehen eigentlich auch echt noch süß aus. Aber anziehen würde man sie trotzdem nie wieder. Also weg damit. Aber nicht alle Teile kann man so schnell und einfach aussortieren. Die Lieblingsjeans zum Beispiel. Hat zwar überall Löcher und ist eigentlich nicht mehr tragbar. Aber wegschmeißen. Neee. Das ist doch meine Lieblingsjeans. In die hat man sich damals so richtig verliebt. Für eine ganze Zeit war sie die einzige. 

Ich glaube wir haben Angst vor dem verlieben. Wir versuchen alles im Leben irgendwie logisch und rational zu erklären. Schreiben Pro und Contra Listen und wollen, dass alles irgendwie zusammenpasst. Eben Stimmig ist. Wenn ich mir erlaube, mich in jemanden zu verliebe, dann muss das schon passen. Dann muss es das schon wert sein. Und dann muss er auch bitte alle meine gefühlten drei Millionen Kriterien erfüllen. Weil sonst. Nein. Das Risiko wäre zu groß. Und je älter wir werden desto mehr Kriterien stellen wir auf. Wir leben uns so ein in unserem Leben. Da ist dann auch kein Platz mehr für jemanden anderes. Für den wir dann auch noch Kompromisse eingehen müssten. Oh Gott! Und wir könnten verletzt werden. Ja das Risiko besteht auch. Also lieber weiter mit lockeren Bettgeschichten durch die Schlafzimmer der Stadt fliegen. Und sich eben nicht verlieben. 

Aber wer hat eigentlich gesagt das man sich nur mit Konsequenzen verlieben kann? Kann ich mich nicht einfach so verlieben. Um das Verlieben willen. Ohne direkt eine Stocksteife und erste Beziehung einzugehen? Einfach nur, weil verlieben schön ist. Sich gut anfühlt und freimacht.

Ich möchte mich verlieben. Verlieben ins Leben.

Einheitsbrei

Polarität. Eine großartige und so bezaubernde Sachen. Was wäre die Welt ohne Polarität? Ohne heiß und kalt. Hell und Dunkel. Süß und salzig. Schwarz/ weiß und bunt. Und ohne weiblich und männlich. Was wäre das für eine unglaublich öde und einschläfernde Welt. Eine Welt komplett ohne Reize, ohne wirkliches Leben. Und wie schön kann das Spiel zwischen Mann und Frau sein. Belebend. Voller knisternder Energie. Voller Magie.

Doch irgendetwas passiert hier gerade. Etwas das diese Magie zerstört. Männer und Frauen sollen plötzlich gleich sein. Gleich erzogen werden. Mit dem gleichen Spielzeug spielen. Sollen sich für die gleichen Dinge interessieren. Möglichst noch die gleichen Dinge tragen, den gleichen Job tun und die gleichen Hobbies haben. Und das bis wir alle irgendwann in einem einzigen Einheitsbrei versinken. Einfach verschwinden in einer Masse die nichts wirklich auszeichnet. Außer, dass sie irgendwie gleich ist. Männer sind die besseren Frauen und Frauen die besseren Männer. Wie langweilig! Wie unglaublich langweilig!

Wo ist da der Reiz? Das Feuer? Das Spiel? Es gibt doch nichts schöneres als das wahre Spiel zwischen männlich und weiblich. Ob männlich und weiblich nun auch gleichermaßen Mann und Frau bedeutet sei dahingestellt. Jeder von uns ist ganz tief im inneren eher weiblich oder männlich. Ob nun Mann oder Frau. Und dieses Spiel ist bezaubernd. Für einen selbst und für den anderen. Und meistens sogar für die Beobachter. Beobachtet man Paare beim ersten Date so gleicht das eher einem Tanz als einer Unterhaltung. Natürlich nur wenn es auch ein erfolgreiches Date zu sein verspricht. Ihre Körper stellen sich aufeinander ein. Ganz unbewusst. Und sie spiegeln einander. Ihre Körperhaltung. Ihre Gesten. Es entsteht Polarität. Denn Polarität gibt Energie, belebt und erzeugt Leben. Frauen fangen an zu kichern, strahlen regelrecht. Männer richten sich auf und sind erwiesenermaßen zu größeren Anstrengungen fähig. Warum wollen wir das zerstören und vereinheitlichen? Mütter predigen ihren Söhnen sie sollen bloß nicht so werden wie ihre Väter. Sondern irgendwie netter. Irgendwie mehr so wie sie. Zu so einer Art Frau. Nur eben als Mann. Und ihren Töchtern sagen sie, sie müssen stark sein. So wie ein Mann. Nur eben als Frau. Dadurch kommt diese Polarität ins Wanken. Männer wissen nicht mehr so richtig was es eigentlich heißt ein Mann zu sein. Sie werden zu echten Weicheiern, zu Pussys. Oder sie kompensieren dies und werden zu wahren Arschlöchern. Zu Machos. Die rumlaufen und Herzensbrechen zu einer Olympischen Disziplin gemacht haben. Aber guckt man genau hin, sind die genauso verloren. Verloren in dem Einheitsbrei von Mann und Frau. Frauen wissen aber auch nicht mehr was es heißt Frau zu sein. Sie treten in einen Macht- und Konkurrenzkampf mit den Männern die sie doch eigentlich nur beschützen wollen. Weil welche emanzipierte Frau braucht schon einen Mann der sie beschützt und ihr den Rücken stärkt?

Meine Antwort darauf ist: Jede! Klar traue ich jeder Frau vollkommen zu sich alleine durchzukämpfen. Und genauso traue ich das auch jedem Mann zu. Aber wäre es nicht irgendwie schöner dieses Leben zusammen zu bestreiten. Mit Fähigkeiten die sich ergänzen statt andauern gegeneinander zu kämpfen.

Ich zum Beispiel bin super gerne allein und brauche keinen Mann an meiner Seite. Aber ab und zu da fehlt mir die Erdung. Die Fokussierung. Ich verliere mich in meinen Gedanken und Verwirrungen. Da brauche ich jemanden der mich zurück auf den Boden holt. Der mir Erdung und Halt gibt. Der einfach nur da steht. Präsenz ist und sagt das alles gut wird. Mit einer Urtiefen Autorität wie nur Männer sie haben. Nur leider haben die meisten Männer diese Autorität irgendwo verloren. In den verzweifelten Versuchen bessere Söhne und Männer zu werden. Aber niemand braucht diesen halbgaren Mischmasch aus Mann und Frau. Diesen Einheitsbrei. Ich wünsche mir wieder echte Männer. Echte Ritter. Männer die für ihren Clan sterben würden und voller Präsenz einfach da sind und stehen bleiben. Das wünsche ich mir. Denn ich möchte auch wieder eine Frau sein können. Ohne ständig zu kämpfen. Und ohne Einheitsbrei.

Erwachsen werden…

Nia mostrando sonrisaMit dem erwachsen werden ist das so eine Sache. Wenn man es noch nicht ist kann man es kaum erwarten und sobald man dann angeblich endlich erwachsen ist will man es am liebsten wieder loswerden.

Aber woher weiß man eigentlich, dass man wirklich erwachsen ist?

Früher so mit 16 dachte ich immer: „Ohh wow, die 23-Jährigen, die sind ja so erwachsen und haben bestimmt schon einen richtigen Plan vom Leben und wissen wie es geht.“

Heute mit selbst 23 Jahre bin ich von einem solchen Plan und solcher Weisheit leider sehr weit entehrt. Und wenn ich mich so in meinem Umkreis umschaue bin ich nicht gerade ein Sonderfall, sondern Spiegel eher die Mehrheit wieder. Klar kommt man irgendwie zurecht ohne in allzu großem Chaos zu versinken aber wirklich durchgeplant Vorausblickend ist was Anderes.

Was ist das also, dieses sagenumwobene erwachsen sein? Wir hören immer wieder, man soll sich erwachsen verhalten und in Streits wird oft gesagt „Wir sind doch alle erwachsen, das können wir jetzt auch zivilisiert regeln.“ Aber was genau heißt das? Dass ich meine Gefühle zurücknehmen soll, mein Herz abschalten und möglichst nur noch mit dem Kopf denken und dann auch bitte so handeln soll?

Erwachsen sein ist anstrengend und echt unlustig. Alle erwarten etwas von einem. Man muss sich ständig um etwas kümmern. Der Internetanbieter lässt einem nicht aus dem Vertrag, der Perso ist abgelaufen und dann sollte man sich auch wirklich mal um seine Steuererklärung kümmern. Und dann kommen da noch allerhand Beziehungen hinzu. Die kommen aber viele gehen auch wieder. Und auch das soll man einfach so hinnehmen und möglichst kein großes Drama draus machen. Wir sind ja schließlich alle so erwachsen… oder auch eben nicht.

„We live like zombies. Wake up, carry out habits and go to sleep only to wake up and do it again. You exist, but do you feel alive?” -Unknown

Und dann ganz plötzlich ist man in die Falle getappt. In die Falle des angeblich so vernünftigen und ach so weisem Erwachen sein. Man lebt so vor sich hin und hackt einen Punkt nach dem anderen von seiner To do Liste die einfach nicht enden will. Man verliert sein Ziel aus den Augen und viel schlimmer noch seine Träume. Man funktioniert, weil alle ja irgendwie Funktionen. Und weil man es eben so macht…

Wie furchtbar ist das den bitte? Man macht etwas, weil man es eben so macht?

Ich finde das geht nicht. Und ich bin der festen Überzeugung, dass es anderes geht! Anderes gehen muss.

Wir sollten wieder mehr zum Kind werden. Wieder impulsiv handeln und das sagen was wir meinen ohne uns permanent zu fragen was wohl die anderen über uns denken. Wir sind doch schließlich nur einmal hier in diesem Leben und in diesem Körper. Wäre es also nicht viel schlauer dann auch alles mitzunehmen? Ohne uns permanent über die Konsequenzen oder die Meinung der andern zu kümmern. Wir sollten wieder anfangen zu tanzen, auch ohne Musik. Zu lachen, nur, weil uns danach ist. Eben wie ein Kind. Oder habt ihr schon mal jemanden gesehen der ein lachendes Kind an mault warum es so laut lacht. Oder was es für einen Grund hat jetzt einfach so fröhlich zu sein. Nein wohl eher nicht. Viel wahrscheinlicher ist es, dass die Menschen anfangen mit zu lachen. Also fangen wir doch alle an zu lachen, einfach so, ohne ersichtlichen Grund…

Natürlich ist es ab und zu notwendig erwachsen zu sein und Dinge rational zu betrachten. Aber genauso wichtig ist es, ab und zu eben nicht erwachsen zu sein und dem Leben einfach zu vertrauen das sich schon alles zu unserem besten entwickeln wird.