Verliebt ins verliebt sein

Ich bin verliebt, ja regelrecht besessen von der Idee des Verliebt seins. Ich suche hinter jeder Ecke und schaue unter jedem Stein. Schweifen meine Gedanken ab baue ich große, rosa Luftschlösser voller Abenteuer und voller Möglichkeiten. Stelle mir vor wie es wohl wäre. Was ich wohl fühlen würde. Doch dann kommt es plötzlich und ganz unerwartet. Ein kleiner verirrter Schmetterling wagt sich in meinen Bauch. Ich bin vollends begeistert und sprudel vor Energie. Ich fühle mich so lebendig. Doch bevor der Schmetterling auch nur Zeit hatte sich vollends auszubreiten habe ich ihn schon wieder gefangen. Ihn eingesperrt. Dass er sich bloß nicht vermehrt. Und dann noch ganze viele Schmetterlinge frei in meinem Bauch umhertollen. Nein. Das wäre ja furchtbar. So ganz außerhalb meiner Kontrolle. Aber habe ich mir nicht eigentlich genau das gewünscht? Oder war es eher die Idee die ich davon hatte?

Wir wünschen uns den angeblich perfekten Partner, die perfekte Geschäftsidee und das perfekte Leben. Aber entwickelt sich unser Leben dann urplötzlich tatsächlich einmal in diese Richtung bekommen wir Panik und sabotieren uns selbst. Unterbewusst natürlich. Mehr oder weniger. Wir suchen nach Fehlern. Nach Ecken und Kanten. Weil so toll kann mein Leben doch nun wirklich nicht sein. Warum sollte ich so etwas verdient haben? Oder wir finden Ausreden warum es doch nicht geht. Unser Gehirn ist da ziemlich einfallsreich. Und wir reden uns so lange ein, dass es nicht geht bis wir es selbst aus voller Überzeugung glauben. Wir hypnotisieren uns regelrecht. Und dann früher oder später finden wir den Fehler. Das Haar in der Supper. Garantiert. Selbsterfüllende Prophezeiung nennt man das. Man redet sich so lange etwas ein bis es dann tatsächlich eintrift. Um sich dann selbst zu bestätigen: Habe ich es doch gesagt.

Warum können wir nicht einfach akzeptieren das uns etwas großartiges widerfährt. Das unsere Idee wunderbar ist und funktionieren wird. Das unser Partner uns wahrlich liebt und tatsächlich treu ist. Das unser Leben nun mal einfach bezaubernd ist. Wir suchen immer nach den Fehlern. Evolutionär betrachtet können wir auch gar nicht anderes. Jahr Millionen Jahre war unser Gehirn darauf trainiert die Fehler zu finden. Einfach um zu überleben. Aber heute müssen wir, auf jeden Fall wir hier in Europa, nicht mehr um unser Überleben fürchten. Und dennoch suchen wir andauernd nach irgendwelchen Fehlern. Nach Dingen die eben nicht gut laufen. Und wenn es keine gibt dann beschwören wir sie hervor. Bis sie eben tatsächlich eintreten.

Ich finde es ist an der zeit unser Gehirn umzupolen. Warum suchen wir nicht anstatt nach Fehlern immer nach den guten Dingen. Nach Sachen die wahrlich toll laufen. Wechseln wir doch einfach den Fokus. Und sind dann nicht nur verliebt in die Idee und die Vorstellung des verliebt sein sondern sind es tatsächlich. Wenn also das nächste mal ein einsamer Schmetterling sich in unseren Bauch verirrt. Heißen wir ihn willkommen. Pflegen ihn und geben wir ihm eine Chance. Vielleicht vermehrt er sich und es entsteht etwas großartiges. Vielleicht geht er auch von ganz alleine wieder. Aber wir geben ihm eine Chance.  Eine Chance sich in etwas großartiges zu verwandeln. Damit aus der Idee endlich Realität wird.

 

Goldener Käfig

Reich sein. Unabhängig. und Vollkommen Frei. Frei zu tun und lassen was ich will. Zu reisen wohin ich will. Wann ich will. Solange ich will und mit wem ich will. Das will ich. Und zwar unabhängig. Ich will auf niemanden angewiesen sein. Will nicht von der Zuneigung profitieren. Ich will nicht meine Seele verkaufen. Nur um vermeintlich frei zu sein. Weil das ist nicht Freiheit. Auf jeden Fall nicht meine Definition davon.

Ich will diese Freiheit aus eigenen Stücken erreichen. Und ich bin mir sicher, dass es möglich ist. Auch ohne mich und meine Seele zu verkaufen. Bizarrerweise sehen viele das Problem aber gar nicht. „Als Frau hat man doch viel bessere Chancen frei und reich zu werden – heirate doch einfach reich.“ Dieser Satz löst alles in mir aus. Nur keinen Zuspruch. Meine Empörung darüber konnte mein Gegenüber nicht verstehen. Er sah es als natürliche Lösung. Warum auch nicht? Ich würde ja nur mich, meinen Körper, meine Seele und alle meine Werte verkaufen. Verkaufen gegen ein vermeintlich freies Leben. Es würde sich ja jemand um mich kümmern.

Der Tausche „Schönheit gegen Geld“ ist Uralt. Und hat schon immer großartig funktioniert. Auf den ersten Blick profitieren beide Parteien davon. Aber eben nur auf den Ersten. Ich will das nicht! Für viele mag es erstrebenswert sein, sich einfach jemanden zu suchen der sich um einen kümmert. Man wäre ja so Sorgenlos. Man müsste sich keine Gedanke um Geld machen und könnte tun und lassen was man will. Blickt man aber genauer hin ist das falsch. Man ist gefangen. Gefangen in einem goldene Käfig. Es ist warm und gemütlich und es mangelt an nichts. Außer an Freiheit. Und an Leben. Man ist wie gelähmt in seinem Käfig. Es fehlt jegliche Motivation etwas zu verändern. Man hat Angst vor der Welt da draußen. Vor der echten Welt. Voller Gefahren. Voller unbekannter Dinger. Aber auch voller Möglichkeiten und Abenteuer. Man müsste nur ausbrechen, aus diesem goldenen Käfig.

Wir alle kennen diesen goldenen Käfige. Sie sehen alle Unterschiedlich aus. Vielleicht ist es das Elternhaus. Oder der Partner. Der ja irgendwie schon immer da war. Man baut sich sein kleines Nest in diesem Käfig und versteinert langsam. Guckt ab und zu nach draußen. Sieht die Gefahren und redet sich ein wie toll und bequem das hier drinnen doch alles ist. So bekannt und vertraut.

Und dann plötzlich passiert etwas. Etwas außergewöhnliches. Etwas Aufregendes. Und man bricht aus. Und dann gibt es kein zurück mehr. Man blickt zurück und kann es nicht verstehen. Bis der nächste goldene Käfig kommt und einen langsam einlullt. Wieder einhüllt in eine Wolke der Bequemlichkeit. Und man gewöhnt sich wieder dran. Eine so trügerische und gefährliche Wolke. Von außen sieht man sie ganz klar. Aber steckt man erstmal drin sieht man gar nichts mehr. Schon gar nicht die eigene Wolke.

Also brechen wir aus. Fliegen davon. In den nächsten goldenen Käfig. Um dann wieder auszubrechen…

Verliebt. Verliebt ins Leben

Ich will mich verlieben. Hals über Kopf. Über alle Stränge schlagen. Einfach leben. Verliebt sein. Ohne Hintergedanken. Ohne wenn’s und aber’s. Ich will mich lebendig fühlen. Schmetterlinge im Bauch haben. Voller Energie pulsieren und das Leben wirklich spüren. Das will ich. Ich will mich richtig verlieben. Ja regelrecht verknallen.

Aber darf man das überhaupt noch? Ist das überhaupt noch angebracht und überhaupt erstrebenswert? Und ich meine so richtig verknallen. Wenn man beinahe Kopflos ist und alle anderen einen angucken, als wäre man auf Drogen. Und irgendwie ist man das ja auch. Ist es deswegen nicht mehr ok sich zu verlieben. Also so richtig zu verlieben. Nicht nur ein bisschen, so nach dem Motto: Ach irgendwie ist der ja ganz nett und wir passen ja auch irgendwie gut zusammen. Aber echte Leidenschaft ist da nicht im Spiel. Das will ich nicht. Das ist langweilig. Und scheinbar bin ich kein Einzelfall. Irgendwie verliebt sich niemand mehr so richtig. Man denk immer sofort über die Konsequenzen nach. Hat das mit uns auch Zukunft? Mögen meine Eltern ihn? Passen unsere Vorstellungen vom Leben zusammen? Wo will er in 5 Jahren sein? Und anstatt es zu versuchen und alles zu geben hört man auf bevor es überhaupt begonnen hat. Lieber etwas Lockeres. Einfach eine Geschichte fürs Bett. Aber bloß keine Emotionen. Es läuft eben so vor sich hin. Parallel mit anderen. Und keiner würde auch nur auf die Idee kommen mal etwas Richtiges, etwas Ernstes draus zu machen. So mit echten Verpflichtungen. Alleine das Wort klingt wie eine Bedrohung. Irgendwie. Redet man sich zu mindestens ein. Also lässt man es weiterlaufen. Bis es sich irgendwann verläuft. Und man es irgendwie vergisst.

Und ehe man sich versieht hat man mehrere dieser Geschichten hinter sich. Verschlissen und hinter sich gebracht. man sammelt sie als Whatsapp Leichen im Handy. Bis man die Chats dann doch irgendwann löscht. Sieht ja schon sonst recht komisch aus. Und macht einen ja vielleicht sogar nachdenklich. Man sortiert aus. Wie man seinen Kleiderschrank aussortiert. An ein paar Teilen hängen wirklich gute Erinnerungen und sehen eigentlich auch echt noch süß aus. Aber anziehen würde man sie trotzdem nie wieder. Also weg damit. Aber nicht alle Teile kann man so schnell und einfach aussortieren. Die Lieblingsjeans zum Beispiel. Hat zwar überall Löcher und ist eigentlich nicht mehr tragbar. Aber wegschmeißen. Neee. Das ist doch meine Lieblingsjeans. In die hat man sich damals so richtig verliebt. Für eine ganze Zeit war sie die einzige. 

Ich glaube wir haben Angst vor dem verlieben. Wir versuchen alles im Leben irgendwie logisch und rational zu erklären. Schreiben Pro und Contra Listen und wollen, dass alles irgendwie zusammenpasst. Eben Stimmig ist. Wenn ich mir erlaube, mich in jemanden zu verliebe, dann muss das schon passen. Dann muss es das schon wert sein. Und dann muss er auch bitte alle meine gefühlten drei Millionen Kriterien erfüllen. Weil sonst. Nein. Das Risiko wäre zu groß. Und je älter wir werden desto mehr Kriterien stellen wir auf. Wir leben uns so ein in unserem Leben. Da ist dann auch kein Platz mehr für jemanden anderes. Für den wir dann auch noch Kompromisse eingehen müssten. Oh Gott! Und wir könnten verletzt werden. Ja das Risiko besteht auch. Also lieber weiter mit lockeren Bettgeschichten durch die Schlafzimmer der Stadt fliegen. Und sich eben nicht verlieben. 

Aber wer hat eigentlich gesagt das man sich nur mit Konsequenzen verlieben kann? Kann ich mich nicht einfach so verlieben. Um das Verlieben willen. Ohne direkt eine Stocksteife und erste Beziehung einzugehen? Einfach nur, weil verlieben schön ist. Sich gut anfühlt und freimacht.

Ich möchte mich verlieben. Verlieben ins Leben.

Königin der Mauern

Sich zu verlieben macht Angst. Angst vor dem zurückgewiesen werden. Angst vor dem Herzensbruch. Angst davor jemandem das Herz zu brechen. Und sogar Angst davor, dass es vielleicht tatsächlich funktionieren könnte. Weil was wäre dann? Bin ich überhaupt schon alt genug, um mich zu entscheiden mit wem ich den Rest meines Lebens verbringen will? Habe ich den schon alles erlebt, was man als Single so erleben muss? Was ist wenn es doch auseinander geht. In vielen Jahren. Die armen Kinder. Und die ganze Zeit die ich dann verschwendet hätte. Also es besser erst gar nicht versuchen. Lieber die Mauer um mein Herz weiter ausbauen. Dicker machen und höher. Damit auch bloß keiner dieses Gerüsts, das ich Leben nennen ins Wanken bringen kann. Den hinter meiner Mauer sitze ich sicher. Kann durch das Burgtor alles beobachten. Verschieden Fassaden aufziehen. Besucher in den Vorraum lassen aber auch schnell wieder rausbucksieren. Denn ich bin schließlich die alleinige Herrscherin in meiner kleinen Burg. In meinem kleinen eingemauerten Herz. Bin geschützt vor Angriffen und kann mich verteidigen.

Eigentlich fehlt es mir an nichts. Ich habe Hofnarren zu meiner Belustigung. Schöne Gewänder, essen und ein wirklich bequemes Schlafgemach. In meinem kleinen Schloss. Doch irgendwas fehlt. Vielleicht sind die Mauern doch etwas zu dick. Die Sonne kommt gar nicht richtig hindurch. Und vielleicht sind die Hofnarren auf Dauer auch keine echte Belustigung mehr. Nerven nur noch. Was wäre, wenn ich die Mauern fallen lassen würde? Was wäre, wenn mich jemand wirklich sehen würde? Und ich meine wirklich mich. Nicht die Krone die ich stolz auf meinem Kopf trage. Und nicht die Schminke, den Schmuck und die Gewänder. Sondern mich. Das wäre fucking scarry!

Was da alles passieren könnte. Jemand könnte mir ebenbürtig sein. Mich wirklich berühren. Und plötzlich hätte ich da etwas zu verlieren. Meine Freiheit. Mein Herz. Und dann wieder die Frage, bin ich dafür überhaupt schon bereit? Nein, wohl eher nicht. Also lieber zurück in die vermeintlich sicheren Mauern. Oder könnte man es auch Gefängnis nennen? Na immerhin ist da drinnen sicher. Und ich kann mich verstecken vor mir und der Welt.

Denn da draußen, ungeschützt ohne Mauern ist es fucking scarry! Da bleibe ich lieber Königin meiner Mauern.

Oder?